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Entry-/Exit-System (EES) - VO (EU) 2017/2226

SGK-Änderungen zum EES - VO (EU) 2017/2225





HS I  M 11

RAL M 7


Stand 20.12.2017


 

 


 

  

Verordnung (EU) 2017/2226 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2017 über ein Einreise- / Ausreisesystem (EES) zur Erfassung der Ein- und Ausreisedaten sowie der Einreiseverweigerungsdaten von Drittstaatsangehörigen an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der EU

 

ABl. EU L 327/20 vom 09.12.2017

 

und

 

Verordnung (EU) 2017/2225 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2017 zur Änderung der Verordnung (EU) 2016/399 (SGK) – ABl.-EU L 77/1 vom 23.03.2016 – in Bezug auf die Nutzung des Einreise-/Ausreisesystems

 

ABl. EU L 327/1 vom 09.12.2017

 


Die Aufnahme des EES-Betriebes erfolgt mit Eintritt der technischen Voraussetzungen. Die SGK-Änderungs-VO ändert den SGK mit Wirkung von der EES-Betriebsaufnahme an.


Das EES wird entwickelt und betrieben von eu-LISA, der Europäischen Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen. eu-LISA verwaltet weiterhin neben dem EES auch Eurodac, das SIS II und das VIS.

 

Überblick über die wichtigsten Änderungen

 

1. Anwendungsbereich

 

1.1 Räumlicher Anwendungsbereich: Anwenderstaaten

 

Die EES-VO gilt für alle EU-Staaten

mit Ausnahme von

- Dänemark – allerdings teilt Dänemark binnen sechs Monaten mit, ob es die VO in nationales Recht umsetzt (ErwGrd Nr. 51 EES-VO, ErwGrd Nr. 13 SGK-ÄndVO),

- Großbritannien (ErwGrd Nr. 52 EES-VO, ErwGrd Nr. 14 SGK-ÄndVO) und

- Irland (ErwGrd Nr. 53 EES-VO, ErwGrd Nr. 15 SGK-ÄndVO)

 

mit der Einschränkung des Vorbehaltes des Schengen-Vollanwenderstatus oder des Eintritts der technischen Voraussetzungen in

- Bulgarien,

- Kroatien,

- Rumänien und

- Republik Zypern

(ErwGrd Nr. 57 EES-VO, ErwGrd Nr. 19 SGK-ÄndVO).

 

Die EES-VO gilt als nationales Recht in den assoziierten Nicht-EU-Staaten

- Island (ErwGrd Nr. 54 EES-VO, ErwGrd Nr. 16 SGK-ÄndVO),

- Liechtenstein (ErwGrd Nr. 56 EES-VO, ErwGrd Nr. 18 SGK-ÄndVO),

- Norwegen (ErwGrd Nr. 54 EES-VO, ErwGrd Nr. 16 SGK-ÄndVO) und

- Schweiz (ErwGrd Nr. 55 EES-VO, ErwGrd Nr. 17 SGK-ÄndVO).

 

Das EES wird betrieben an den

- Außengrenzen der Schengen-Vollanwenderstaaten (Art. 4 I, II EES-VO),

- Binnengrenzen der Schengen-Vollanwenderstaaten mit den Schengen-Teilanwenderstaaten (Art. 4 III EES-VO),

- Binnengrenzen Luft und See (Art. 2 I b) und c) SGK) der Schengen-Teilanwenderstaaten (Art. 4 IV EES-VO),

- Binnengrenzen Land (Art. 2 I a) SGK) der Schengen-Teilanwenderstaaten ohne biometrische Funktionen (Art. 4 V EES-VO).

 

Schengen-Binnengrenzen sind gem. Art. 2 Nr. 1 SGK iVm. Art. 3 I Nr. 2 EES-VO die

a) gemeinsamen Landgrenzen,

b) Flughäfen für Binnenflüge und

c) Seegrenzen für regelmäßige interne Fährverbindungen.

 

Schengen-Außengrenzen sind gem. Art. 2 Nr. 2 SGK iVm. Art. 3 I Nr. 1 EES-VO alle Grenzen, die keine Binnengrenzen sind.

 

1.2 Personeller Anwendungsbereich: Zielgruppen der Erfassung

 

Die EES-VO gilt gem. Art. 2 I und Art. 2 II EES-VO sowie Art. 6a I und Art. 6a II SGK für

 

Drittstaatsangehörige, die für einen Kurzaufenthalt iSv. Art. 6 I SGK zugelassen sind, also insbesondere
- Inhaber eines Visums Typ C,
- Inhaber von Dienst-/Diplomatenpässen mit Recht zum visafreien Kurzaufenthalt,
- Positivstaater iSv. Anhang II EUVisaVO,

 

drittstaatsangehörige Familienangehörige von EU-/EWR-/Schweizer Staatsangehörigen ohne Aufenthaltskarte oder Aufenthaltstitel iSv. Art. 2 Nr. 16 SGK,

 

Drittstaatsangehörige, denen gem. Art. 14 SGK die Einreise verweigert wird.

 

Die EES-VO gilt gem. Art. 2 III EES-VO, Art. 6a III SGK nicht für

- drittstaatsangehörige Familienangehörige von EU-/EWR-/Schweizer Staatsangehörigen mit Aufenthaltskarte,

- Inhaber eines Aufenthaltstitels iSv. Art. 2 Nr. 16 SGK,

- Drittstaatsangehörige bei Ausübung ihres Rechts auf Mobilität gem. der ICT-Richtlinie RL 2014/66/EU oder der Forscher-Richtlinie RL (EU) 2016/801,

- Inhaber eines nationalen Visums Typ D,

- Staatsangehörige von Andorra, Monaco, San Marino, Inhaber von Vatikan-Pässen,

- gem. Art. 6a III g) SGK kontrollbefreite oder begünstigte Drittstaatsangehörige, z.B. Staatsoberhäupter, Regierungschefs, Regierungsmitglieder und Mitglieder ihrer offiziellen Delegationen, Monarchen (Art. 6a III g) i), Anhang VII Nr. 1 SGK), LuftFzFhr u.a. Flugbesatzungspersonal (Art. 6a III g) ii) Anhang VII Nr. 2 SGK),  Seeleute (Art. 6a III g) iii), Anhang VII Nr. 3 SGK), Grenzarbeitnehmer (Art. 6a III g) iv), Anhang VII Nr. 5 SGK),

- Drittstaatsangehörige gem. Art. 6a III h, i, j SGK (z.B. kl. Grenzverkehr, Zugpersonal).

 

1.3 Sachlicher Anwendungsbereich

 

Gegenstand der Erfassung und Ziele des ESS sind insbesondere

- Art. 1 I a), 6 I a) EES-VO – Erfassung und Speicherung von Zeit und Ort der Einreise und Ausreise

- Art. 1 I b), 6 I b), c) EES-VO – Berechnung der zulässigen Aufenthaltsdauer

Warnmeldung im Falle des Ablaufs der zulässigen Aufenthaltsdauer, ID von Aufenthaltsüberziehern („overstayer“)

- Art. 6 I e) EES-VO – Automatisierung von Grenzübertrittskontrollen

- Art. 6 I g) EES-VO – Information des Drittstaatsangehörigen über zulässige Aufenthaltsdauer

- Art. 1 II, 6 II EES-VO – Zugang für Datenabfragen durch nationale Behörden und Europol zur Terrorismus- und Kriminalitätsbekämpfung

 

2. Dateneingabe durch die Grenzpolizei

 

2.1 Erfassungsverfahren

 

Für die Datenerfassung wird gem. Art. 16, 17, 18 EES-VO und Art. 6a I SGK nach drei Personengruppen differenziert,

- Art. 16 EES-VO, Art. 6a I a)-c) SGK – visumpflichtige Drittstaatsangehörige,

- Art. 17 EES-VO, Art. 6a I a)-c) SGK – visumbefreite Drittstaatsangehörige,

- Art. 18 EES-VO, Art. 6a II SGK – Drittstaatsangehörige, denen gem. Art. 14 SGK die Einreise verweigert wurde.

Für jede dieser Personengruppen werden zwei Formen von Datensätzen angelegt,

- das persönliche Dossier (personenbezogene Daten) und

- der Einreise- und Ausreisedatensatz oder Einreiseverweigerungsdatensatz.

 

2.2 Biometrische Daten

 

Gem. Art. 6 I f) SGK muss der Drittstaatsangehörige seine biometrischen Daten bereitstellen, soweit dieses für das Anlegen seines persönlichen Dossiers und die Durchführung von Grenzübertrittskontrollen nach Art. 8 III a) i), g) i) SGK erforderlich ist. Dieses ist Einreisevoraussetzung wie die bekannten Einreisevoraussetzungen nach Art. 6 I a)-e) SGK.

 

Ein persönliches Dossier muss ein Gesichtsbild des Drittstaatsangehörigen enthalten.

Dieses

- ist gem. Art. 3 I Nr. 17 EES-VO eine digitale Aufnahme des Gesichts,

- wird im Regelfall gem. Art. 15 I EES-VO vor Ort aufgenommen,

- wird ausnahmsweise gem. Art. 15 II EES-VO elektronisch aus dem Chip eines ePasses (eMRTD) extrahiert,

- muss gem. Art. 15 IV EES-VO eine ausreichende Auflösung und Qualität für einen automatisierten biometrischen Abgleich aufweisen.

 

Das persönliche Dossier eines von der Visumpflicht befreiten Drittstaatsangehörigen umfasst weiterhin Fingerabdruckdaten.

Diese

- bestehen gem. Art. 3 I Nr. 16 EES-VO aus den Daten zu den Fingerabdrücken des Zeigefingers, Mittelfingers, Ringfingers und kleinen Fingers der rechten Hand oder, falls dem Drittstaatsangehörigen die rechte Hand fehlt, der linken Hand,

- müssen gem. Art. 17 I c) -2. Halbsatz- EES-VO eine ausreichende Auflösung und Qualität für einen automatisierten biometrischen Abgleich aufweisen.

 

Kinder unter 12 Jahre sind gem. Art. 17 III EES-VO von der Fingerabdruckerhebung befreit.

 

2.3 Einreise-/Ausreisedaten

 

Erfasst werden bei der Einreise gem. Art. 16 II EES-VO insbesondere

- Datum, Uhrzeit und Ort der Einreise

- GÜSt.

- Visa-Daten wie Visa-Nr. und dreistellige Codierung des Ausstellerstaates

 

Erfasst werden bei der Ausreise gem. Art. 16 III EES-VO

- Datum, Uhrzeit und Ort der Einreise

- GÜSt.

 

Für von der Visumpflicht befreite Drittstaatsangehörige entsprechende Datenerfassung nach Art. 17 I EES-VO und Art. 17 II iVm. Art. 16 III.

 

Für Fälle der Einreiseverweigerung werden gem. Art. 18 VI EES-VO insbesondere Datum, Uhrzeit, Ort und GÜSt. der Einreiseverweigerung sowie Kennungscodierung nach Anhang V Teil B SGK erfasst.

 

3. Änderungen des SGK

 

3.1 Kontrollstandard

 

Zum Kontrollstandard der eingehenden Kontrolle zählen Echtheitskontrolle und Integritätskontrolle beim ePass (Art. 8 II a) UAbs. 2, III a) i) UAbs. 2 SGK) und IDF gem. Art. 23 II, IV EES-VO (Art. 8 II b), III a) iiia) SGK). In Art. 8 III g) i) Nr. 2 SGK wird die Abfrage der Interpol-Datenbank für SLTD durch die SLTD-Abfrage bei Interpol ersetzt.

 

3.2 Stempelpflicht

 

Die Stempelpflicht in der bisherigen Form entfällt bzw. wird wie folgt neu gefasst.


Nach Art. 11 I SGK kann die Grenzpolizei die Pässe von Inhabern nationaler Aufenthaltstitel oder nationaler Visa bei Ein- und Ausreise abstempeln, wenn dieses im nationalen Recht vorgesehen ist.

Nach Art. 11 II SGK sind die Pässe von Inhabern eines Dokuments für den erleichterten Transit bei Ein- und Ausreise abzustempeln.

Nach Art. 11 III SGK sind die Pässe von Inhabern eines für ein oder zwei Einreisen ausgestellten nationalen Kurzaufenthaltsvisums bei Ein- und Ausreise abzustempeln.

Art. 42a SGK schafft eine Übergangsregelung, wonach die Pässe von Drittstaatsangehörigen an den Außengrenzen von Schengen-Teilanwenderstaaten, die das EES noch nicht anwenden, bei Ein- und Ausreise abzustempeln sind.

 

3.3 Unterrichtung des Drittstaatsangehörigen

 

Gem. Art. 8 IX SGK wird der Drittstaatsangehörige durch den KSB oder über den Web-Dienst (Art. 13 EES-VO) über die maximale Dauer des zulässigen Aufenthaltes unterrichtet.

 

4. Self-Service-System und eGate

 

4.1 Vorabeingabe von Daten in das EES durch den Drittstaatsangehörigen selbst

 

Drittstaatsangehörige iSv. Art. 6a I dürfen gem. Art. 8a I, IV a) SGK, Art. 14 V Satz 2 EES-VO im Self-Service-System vorab ihre Daten in das EES eingeben, und zwar

- nach Art. 16 I, II c)-f) EES-VO (visumpflichtige Drittstaatsangehörige) oder

- nach Art. 17 I a)-c), 16 II c) EES-VO (visumbefreite Drittstaatsangehörige).

 

Voraussetzungen:

- a) ePass

- b) Gesichtsfeld im Chip

 

4.2 Grenzübertrittskontrolle im eGate

 

Drittstaatsangehörigen iSv. Art. 6a I kann die Verwendung eines Self-Service-Systems gem. Art. 8b I SGK zur Durchführung ihrer Grenzkontrolle gestattet werden (eGate).

 

Voraussetzung:

- a) ePass

- b) Gesichtsfeld im Chip

- c) bereits im EES erfasst oder Vorabeingabe erfolgt

 

Gem. Art. 8b II Satz 1 SGK ist das Self-Service-System anwendbar für Kontrollen nach

- Art. 8 II, III a), b) – Einreise

- Art. 8 II, III g), h) – Ausreise

 

Gem. Art. 8b III SGK wird der Grenzkontrollvorgang von einem Grenzpolizeibeamten überwacht. Dieser genehmigt Einreise oder Ausreise gem. Art. 8 III Satz 1 -1. Alt.- SGK oder verweist den Reisenden gem. Art. 8 III Satz 2 -2. Alt.-, IV, V an die Grenzübertrittskontrolle durch einen anderen Grenzpolizeibeamten unter einer der folgenden Voraussetzungen:

- a) kein ePass, kein Gesichtsfeld im Chip,

- b) mindestens eine Einreise- oder Ausreisebedingung nicht erfüllt,

- c) ID fraglich oder Gefahr,

- d) Zweifelsfall,

- e) kein eGate vorhanden,

- aus Ermessensgründen (Abs. V).

 

Self-Service-System und eGate werden gem. Art. 8b VIII SGK unter Aufsicht eines KSB betrieben, der auf die Verhinderung unsachgemäßer, täuschender oder abweichender Nutzung achtet.

Kinder unter 12 Jahre unterliegen gem. Art. 8c SGK nicht der automatisierten Kontrolle.

 

5. Verfahren bei Visa-Annullierung und Visa-Aufhebung

 

5.1 EES-Abfrage

 

Zur Prüfung einer Visa-Annullierung oder Visa-Aufhebung gem. Art. 34 I-III VK führt die Grenzpolizei als Visumbehörde iSv. Art. 3 I Nr. 4 EES-VO gem. Art. 24 I EES-VO eine EES-Abfrage durch. Kommt es zur Annullierung oder Aufhebung fügt sie gem. Art. 19 I EES-VO in den Einreise-/Ausreisedatensatz folgende Daten ein:

a) Statusinformation der Annullierung oder Aufhebung,

b) Bezeichnung der Behörde, die die Annullierung oder Aufhebung verfügt hat,

c) Ort und Datum der Entscheidung,

d) ggf. Visa-Nr. einer etwaigen neuen Visa-Marke und Ausstellerstaat (3st. Code).

 

5.2 Datenimport VIS – EES

 

Da die Grenzpolizei nach Art. 4 Nr. 3 VIS-VO zugleich Visumbehörde iSv. Art. 3 I Nr. 4 EES-VO ist, hat sie gem. Art. 19 III EES-VO die gem. Art. 13 VIS-VO, Art. 34 VIII VK in das VIS eingegeben Daten zur Annullierung/Aufhebung aus dem VIS direkt in das EES zu importieren.

 

6. Änderungen anderer EU-Rechtsakte

 

6.1 VIS-VO und eu-LISA-VO

 

Art. 61 und Art. 62 EES-VO regeln Änderungen der

- VO (EG) Nr. 767/2008 (VIS-VO) und der

- VO (EG) Nr. 1077/2011 (eu-LISA-VO).

 

6.2 Art. 20 SDÜ

 

Art. 20 SDÜ wird durch Art. 60 EE-VO geändert bzw. neu gefasst.

Art. 20 I SDÜ bleibt unverändert.


Art. 20 II-IIc SDÜ erhalten folgende Fassung:

 

Art. 20 II SDÜ – Jeder Schengen-Staat darf den Aufenthalt eines Drittstaatsangehörigen über einen Kurzaufenthalt hinaus verlängern
- a) aufgrund außergewöhnlicher Umstände oder
- b) aufgrund eines vor dem SDÜ geschlossenen bilateralen Abkommens.


Art. 20 IIa Satz 1 SDÜ – In Fällen des Art. 20 II b) SDÜ ist ein Antrag des Drittstaatsangehörigen bis zum letzten Arbeitstag des 90-Tage-Aufenthaltes erforderlich.


Art. 20 IIa Satz 2 SDÜ – Wurde kein Antrag gestellt, kann der Aufenthalt verlängert werden und das Überziehen als legaler Aufenthalt behandelt werden, wenn der Drittstaatsangehörige sich nur in dem Vertragsstaat aufgehalten hat.


Art. 20 IIb SDÜ – Bei Verlängerung geben die Behörden dieses in das EES ein.

Art. 20 IIc SDÜ – Bei Verlängerung darf sich der Drittstaatsangehörige nur in dem Vertragsstaat aufhalten und muss über dessen Außengrenzen ausreisen.

 

   

Stand 20.12.2017