Aktuelles 2024 - 2026
Letzte für den FH-Unterricht wichtige Änderungen u.a.
I. Gesetz zur Bestimmung Georgiens und der Republik Moldau als sichere Herkunftsstaaten
BGBl. I Nr. 382 vom 22. Dezember 2023,
in Kraft getreten 23. Dezember 2023
Erweiterung der Listung sicherer HKL in
Anlage II zu § 29a AsylG um die Staaten
Georgien
Republik Moldau
Listung Georgien zweifelhaft wegen Südossetien und Abchasien (betr. Art. 37 RL 2013/32/EU):
VG Berlin, Beschluss vom 11.03.2025 – 31 L 473/24 A, VG-Pressemitteilung 19/2025
Listung unter Ausnahme von Teilen des Hoheitsgebietes erst wieder ab Mitte 2026 (GEAS-Reform) nach Art. 61, 62 VO (EU) 2024/1348 zulässig.
II. Gesetz zur Verbesserung der Rückführung
(Rückführungsverbesserungsgesetz)
vom 21. Februar 2024,
BGBl. I Nr. 54 vom 26. Februar 2024,
in Kraft getreten am 27. Februar 2024
1. Einreise- und Aufenthaltsverbot nach Zurückweisung (§ 11 I Satz 2 AufenthG)
Nach § 11 I Satz 2 AufenthG ist ein Einreise- und Aufenthaltsverbot über die bisherigen Sachverhalte (Ausweisung, Zurückschiebung, Abschiebung) und über Art. 11 I RL 2008/115/EG (EU-Rückführungsrichtlinie) hinaus auch für den Fall der Zurückweisung - korrekt eigentlich Einreiseverweigerung nach Art. 14 I VO (EU) 2016/399 (SGK) - wegen eines Einreiseversuchs unter Nutzung falscher oder verfälschter Dokumente vorgesehen.
2. Einschleusen Drittstaatsangehöriger und Angehöriger nach FreizügG/EU (§ 96 AufenthG)
§ 96 I Satz 1 Nr. 3 AufenthG erfasst die gewinnorientierte Vermittlung der EU-Auslands-Scheinehe durch Erschleichen einer Aufenthaltskarte nach § 5 I iVm. § 9 I FreizügG/EU und schließt damit eine bisherige kriminalpolitische Verfolgbarkeitslücke bei der Schein-Ehe (Amtl. Begründung, BR-Ds. 563/23 vom 02.11.2023, S. 56).
§ 96 I Satz 2 AufenthG erfasst die Kleinkinder-Schleusung und sonstige Schleusung Handlungsunfähiger (kritisch: Kabis, ANA-ZAR 5/2023, S. 41).
3. EU-/Schengen-Schleusung (§ 96 IV AufenthG)
§ 96 IV AufenthG erweitert den Anwendungsbereich der EU-/Schengen-Schleusung auf dem Landweg um die nicht vorteilsorientierte Schleusung (kritisch Epik/Schatz, KripoZ 2024, 44).
4. Qualifizierte Schleusung und Einschleusen mit Todesfolge (§§ 96 II Satz 1, 97 I AufenthG)
§ 96 II Nr. 6 AufenthG enthält einen neuen Qualifikations-Tatbestand des verkehrsgefährdenden Kontrolldurchbruchs mit dem Ziel der Polizeiflucht.
§ 97 I AufenthG (Einschleusen mit Todesfolge) erfasst nicht nur den Tod des Geschleusten, sondern auch Dritter (Grenzpolizei, Verkehrsteilnehmer) und stellt in Satz 2 die wenigstens leichtfertig verursachte Todesfolge den vergleichbaren Erfolgsqualifikationen §§ 239a III, 251, 316a III, 316c III StGB gleich.
5. Haft trotz Asylantrag (§ 14 III AsylG)
§ 14 III Satz 1 AsylG lässt Haftantrag, Haftanordnung und Haftfortdauer trotz Stellung eines Asylantrages / Antrages auf internationalen Schutz beim BAMF zu. Die Regelung soll auf taktisch-strategisch gestellte Anträge reagieren und ermöglicht eine Freiheitsentziehung trotz der mit dem Antrag gem. § 55 I Satz 3 AsylG eintretenden Aufenthaltsgestattung, die die vollziehbare Ausreisepflicht für § 18 III AsylG entfallen lässt (Amtl. Begründung, BR-Ds. 563/23 vom 02.11.2023, S. 57).
6. Erschleichen der Zuerkennung eines Schutzstatus (§ 85 II AsylG)
§ 85 II AsylG enthält einen dem Erschleichen eines Aufenthaltstitels (§ 95 II Nr. 2 AufenthG) nachgebildeten Tatbestand im Hinblick auf falsche oder unvollständige Angaben vor BAMF oder im gerichtlichen Verfahren um die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, internationalen subsidiären Schutzes oder nationalen subsidiären Schutzes (§ 60 V, VII AufenthG) zu erreichen oder Widerruf oder Rücknahme abzuwenden. Der Tatbestand wurde eingeführt, weil Asylsuchende oder Schutzsuchende keine Täterqualifikation nach §§ 84, 84a AsylG erfüllen und nicht unter § 95 Ii Nr. 2 AufenthG fallen.
III. VO zur Einführung eines einheitlichen EU-Rückkehrausweises
vom 29. Oktober 2025, BGBl. I Nr. 260 vom 31.10.2025, in Kraft getreten 01.11.2025
Einführung des EU-Rückkehrausweises in Umsetzung der RL (EU) 2019/997 in
§ 3 III Nr. 9, § 4 I Nr. 7 und § 13a AufenthV
IV. Art. 2 Nr. 6 des Gesetzes zur Bestimmung sicherer Herkunftsstaaten durch Rechtsverordnung
vom 22.12.2025, BGBl. I Nr. 364 vom 23.12.2025, in Kraft getreten 24.12.2025
Erweiterung der EU-/Schengen-Schleusung in § 96 IV AufenthG - gelistet ist jetzt neben den EU-Staaten und Schengen-Staaten auch das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland, seit 01.01.2021 Drittstaat.
V. Art. 1 Nr. 15 bis 17 Gesetz zur Modernisierung und Digitalisierung der Schwarzarbeitsbekämpfung
vom 22.12.2025, BGBl. I Nr. 369 vom 29.12.2025
Anpassung § 10 SchwArbG an gendergerechte Sprache und § 11 SchwArbG an das künftige ETIAS
VI. Verordnung zur Bestimmung sicherer Herkunftsstaaten
für den internationalen Schutz vom 21.01.2026, BGBl. 2026 I Nr. 19 vom 26.01.2026
Nach § 1 der VO sind sichere Herkunftsstaaten iSd. § 29b AsylG
1. Albanien 2. Bosnien und Herzegowina 3. Georgien 4. Ghana 5. Kosovo | 6. Moldau, Republik 7. Montenegro 8. Nordmazedonien 9. Senegal 10. Serbien |
Die Listung bezieht sich auf den Internationalen Schutz nach der RL 2013/32/EU - mit GEAS-Reform künftig VO (EU) 2024/1348 - im Gegensatz zu den (identischen) Drittstaaten aus Anlage II zu § 29a II AsylG, die sich auf Art. 16a III Satz 1 GG beziehen.
Gegen die Gesetzesänderung zu (2) hat die Fraktion Bündnis90/Die Grünen eine Organklage vor dem BVerfG angestrengt (Mitteilung unter asyl.net, abgerufen 29.01.2026). Der Bestand ist daher unsicher.
Zu Georgien und Republik Moldau zu beachten ist VG Berlin, Beschluss vom 11.03.2025 – 31 L 473/24 A, VG-Pressemitteilung 19/2025.
VII. Verordnung (EU) 2026/464 über sichere Herkunftsländer
vom 24.02.2026, ABl. EU L vom 26.02.2026
stuft in Art. 62 I b der VO die EU-Beitrittskandidaten-Staaten als sichere HKL ein, sofern keine Gefahren iSv. Art. 62 Ib a) - c) drohen,
listet nach Art. 62 Ia iVm. Anlage II
Bangladesch,
Kolumbien,
Ägypten,
Indien.
Kosovo,
Marokko,
Tunesien
als sichere HKL auf Unionsebene (Reihenfolge ist die alphabetische Reihenfolge nach den Ländernamen in der Landessprache). Anlage II wird zu Anlage II VO (EU) 2024/1348 mit Anwendung GEAS-Reform.
VIII. Verordnung (EU) 2026/496
vom 06.03.2026, ABl. EU L vom 06.03.2026
Art. 1 der VO - Vorübergehende Aussetzung der Befreiung von der Visumpflicht für Inhaber von Diplomatenpässen, Dienstpässen oder Amtspässen, die von Georgien ausgestellt wurden, für zwölf Monate
Art. 2 der VO - Vor dem 06.03.2026 eingereiste Inhaber der unter Art. 1 fallende Pässe dürfen ihren Aufenthalt fortsetzen und ohne Visum ausreisen
Art. 3 - Inkrafttreten: 06.03.2026
ErwGrd (19) Beschränkung der Aussetzung auf Inhaber von Diplomaten-, Dienst- oder Amtspässen
Stand März 2026