Till Mehrings 

Hochschule Bund

Gemeinsames Europäisches Asylsystem (GEAS) 

 

 Stand Dezember 2025







Foto: Reiseausweise für Flüchtlinge

nach der GFK von 1951 (RAW 1951)

von Dänemark




 

Das neue GEAS ab Mitte 2026 wird insbesondere

aus folgenden EU-Rechtsakten bestehen (alle im

veröffentlicht im ABl.-EU L vom 22.05.2024):


VO (EU) 2024/1347 - ersetzt EU-Qualifikationsrichtlinie RL 2011/95/EU

VO (EU) 2024/1348 - ersetzt EU-Verfahrensrichtlinie RL 2013/32/EU

RL (EU) 2024/1346 - ersetzt EU-Aufnahmerichtlinie RL 2013/33/EU

VO (EU) 2024/1351 - ersetzt Dublin III-Verordnung VO (EU) Nr. 604/2013

VO (EU) 2024/1358 - ersetzt bisherige Eurodac-VO VO (EU) Nr. 603/2013


Aktuelle Beiträge dazu: Schloss/Schneider, ZAR 2025, 3, und Hoppe, ZAR 2025, 59



 1.  Eurodac

 

Eurodac ist ein zentrales automatisiertes Erfassungssystem zur Feststellung, ob der Fall eines Antrages auf internationalen Schutz oder eines illegal eingereisten Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen der Dublin III-VO unterliegt. Die VO (EU) Nr. 603/2013 (ABl.-EU L 180/1 vom 29.06.2013) ist am 19.07.2013 in Kraft getreten und findet seit 20.07.2015 Anwendung (Art. 46 Satz 2).

Die bisherigen Verordnungen wurden damit aufgehoben (Art. 45 Satz 1).


Offizielle ausführliche Bezeichnung der Eurodac-VO


Verordnung (EU) Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 über die Einrichtung von Eurodac für den Abgleich von Fingerabdruckdaten zum Zwecke der effektiven Anwendung der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist und über der Gefahrenabwehr und Strafverfolgung dienende Anträge der Gefahrenabwehr- und Strafverfolgungsbehörden der Mitgliedstaaten und Europols auf den Abgleich mit Eurodac-Daten sowie zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 1077/2011 zur Errichtung einer Europäischen Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen im Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts (ABl.-EU L 180/1 vom 29.06.2013).


Die VO gilt unmittelbar für alle EU-Staaten mit Ausnahme von Dänemark und Irland (Erwägungsgründe Nr. 51, 52, 53) und als inzwischen umgesetztes innerstaatliches Recht über Assoziierungs- und Parallelabkommen auch

- in den "opt-out"-EU-Staaten und

- in den assoziierten Nicht-EU-Staaten


Dänemark
Irland
Island
Liechtenstein
Norwegen
Schweiz


und damit im gesamten Raum der Dublin III-Anwenderstaaten.


Mit der GEAS-Reform findet die neue Eurodac-VO Anwendung, mit offizieller Bezeichnung


Verordnung (EU) 2024/1358 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Mai 2024 über die Einrichtung von Eurodac für den Abgleich biometrischer Daten zur effektiven Anwendung der Verordnungen (EU) 2024/1351 und (EU) 2024/1350 des Europäischen Parlaments und des Rates und der Richtlinie 2001/55/EG sowie zur Feststellung der Identität illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger oder Staatenloser und über der Gefahrenabwehr und Strafverfolgung dienende Anträge der Gefahrenabwehr- und Strafverfolgungsbehörden der Mitgliedstaaten und Europols auf den Abgleich mit Eurodac-Daten, zur Änderung der Verordnungen (EU) 2018/1240 und (EU) 2019/818 des Europäischen Parlaments und des Rates und zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates

ABl.-EU L v. 22.05.2024

Die neue Eurodac-VO findet gem. Art. 63 II VO (EU) 2024/1358 Anwendung ab 12.06.2026.



2. Dublin III / Asyl- und Migrationsmanagement-VO


Offizielle Bezeichnung der Dublin-VO


Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (ABl.-EU L 180/31 vom 29.06.2013).


Die VO gilt unmittelbar für alle EU-Staaten mit Ausnahme von Dänemark und Irland (Erwägungsgründe Nr. 51, 52, 53) und als inzwischen umgesetztes innerstaatliches Recht über Assoziierungs- und Parallelabkommen auch in den "opt-out"-EU-Staaten und assoziierten Nicht-EU-Staaten


Dänemark

Irland

Island

Liechtenstein

Norwegen

Schweiz


Die VO ist am 19.07.2013 in Kraft getreten (Art. 49 Satz 1 Dublin III-VO) und findet Anwendung auf alle Anträge auf internationalen Schutz seit 2014.


Das Dublin-System betrifft  Anträge auf internationalen Schutz, also
- Anträge auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne der GFK und
- Anträge auf subsidiären Schutz im Sinne von Art. 15 RL 2011/95/EU,

ab GEAS-Reform VO (EU) 2024/1347

 

Dublin III wird mit der GEAS-Reform (ab Mitte 2026) ersetzt durch die neue


Verordnung (EU) 2024/1351 über Asyl- und Migrationsmanagement, zur Änderung der Verordnungen (EU) 2021/1147 und (EU) 2021/1060 und zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 604/2013

ABl.-EU L v. 22.05.2024

Die neue VO findet gem. Art. 85 Satz 2 VO (EU) 2024/1351 Anwendung ab 01.07.2026.

Ausführlich dazu Schloss/Schneider, ZAR 2025, 3.


3. EU-Asylverfahrens-RL / EU-Asylverfahrens-VO


Zum GEAS gehört auch die EU-Asylverfahrensrichtlinie mit der offiziellen Bezeichnung


Richtlinie 2013/32/EU des Europäischen Parlaments und des Rates zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung internationalen Schutzes, ABl.-EU L 180/60 vom 29.06.2013


Die RL legt einheitliche Verfahrensstandards fest und insbesondere die Voraussetzungen für das Flughafentransitzonenverfahren, die enger sind als im deutschen AsylG, und die Grundlage für Listung sicherer Herkunftsstaaten und sicherer Drittstaaten.


Mit der GEAS-Reform wird die RL ersetzt durch die


Verordnung (EU) 2024/1348 zur Einführung eines gemeinsamen Verfahrens für internationalen Schutz in der Union und zur Aufhebung der Richtlinie 2013/32/EU


ABl.-EU L v. 22.05.2024
Die neue VO findet gem. Art. 79 II VO (EU) 2024/1348 Anwendung ab 12.06.2026.
Ausführlich dazu Hoppe, ZAR 2025, 59.


Im innerstaatlichen Asylrecht wird künftig differenziert zwischen sicheren HKL iSv. Art. 16 III GG und iSd. VO (EU) 2024/1348. Durch Art. 1 des Gesetzes zur Bestimmung sicherer  Herkunftsstaaten vom 22.12.2025 (BGBl. I Nr. 364 v. 23.12.2025) ist die Grundlage für eine VO-Ermächtigung zur Listung sicherer HKL iSd. RL 2013/32/EU geschaffen worden, künftig VO (EU) 2024/1348.


Sichere HKL im deutschen AsylG iSv. Art. 16 III GG sind zZt. neben allen EU-Staaten


Albanien

Bosnien und Herzegowina

Ghana

Georgien

Republik Kosovo

Republik Moldau

Montenegro

Nordmazedonien

(bis 11.02.2019 EJR Mazedonien)

Senegal

Serbien


Zu Georgien und Moldau s. auch

VG Berlin, Beschluss vom 11.03.2025 – 31 L 473/24 A,

VG-Pressemitteilung 19/2025


Als "sichere Drittstaaten" im deutschen AsylG iSv. Art. 16 II GG sind zZt keine Drittstaaten iSv. Nicht-EU-/EWR-Staaten gelistet, sondern nur GEAS-Staaten als "Dritt"-Staaten iSv. Nicht-HKL:


EU-Staaten

Norwegen

Schweiz



Stand Dezember 2025